
Ich schiebe das dritte Modul zum vierten Mal ganz nach oben und wieder zurück, Zeigefinger auf dem Handy-Display, während der Marktstand vor mir am Viktualienmarkt gerade die letzten Radieschen des Tages loswird. Mentortools zeigt mir mein komplettes Kurs-Dashboard, und ich kann einfach nicht aufhören, an der Reihenfolge zu schrauben, so wie bei jedem neuen Online-Kurs, seit ich anderen Coaches beim Aufbau ihres Coaching-Business helfe.
Genau in diesem Moment kommt eine Sprachnachricht von Ulrike Herrmann rein, einer Coaching-Kollegin aus Düsseldorf. Ihre E-Mails lesen sich immer wie Behördenpost, aber sobald sie spricht, klingt es, als würden wir uns seit Ewigkeiten kennen: „Wie sortierst du eigentlich deine Videos, bevor du sie überhaupt hochlädst?" Genau diese Frage, und ein halbes Dutzend ähnliche, bekomme ich seit Monaten gestellt, und meine kurze Antwort ist immer dieselbe: Sortier nicht nach Lehrplan, sortier nach Schmerzpunkt, und fang nicht mit dem Hochladen an. Der Rest ist Feinschliff, den ich hier mal komplett aufdrösle, für Ulrike und für jede andere Coaching-Kollegin mit derselben Frage im Kopf.
Ich wollte selbst schon länger weg von reiner 1-zu-1-Zeit gegen Geld und endlich digitale Produkte verkaufen. Nur die Struktur dahinter hat mir jahrelang Bauchschmerzen bereitet, und genau davon handelt dieser Artikel.
Bevor es Mentortools gab, hatte ich meine Kursvideos einfach auf Vimeo hochgeladen und die Links jede Woche per Newsletter verschickt. Kein Login, keine Reihenfolge, nur eine Mailflut, in der selbst die geduldigsten Teilnehmerinnen irgendwann den Überblick verloren, und ich mit ihnen. Wie du deine Videos technisch sauber hostest, ist übrigens ein eigenes Thema für sich. Wie du solche E-Mails danach automatisch statt per Copy-Paste verschickst, spare ich mir ebenfalls für ein anderes Mal.
Meine Nachbarin Heike Baumann schaute kurz vorbei, sah den Bildschirm voller Modul-Kästchen und fragte nur, ob ich für die nächsten Kursaufnahmen wieder auf natürliches Licht bestehen soll. Klar bestehe ich darauf, Kompromisse gibt es bei ihr sowieso nicht. Als ich danach die Willkommensmail für die neuen Teilnehmerinnen tippte, hämmerte ich so hastig auf die Tasten, dass ich denselben Tippfehler gleich zweimal gemacht habe.
50 Videos sortieren ohne den Verstand zu verlieren
Fang nicht mit dem Hochladen an, das ist meine ehrlichste Antwort an Ulrike und an jede andere Kollegin, die mich das fragt. Nimm dir ein Blatt Papier und schreib die drei größten Probleme deiner Zielgruppe auf, bevor du auch nur eine einzige Datei anfässt. Jedes Video, das nicht direkt gegen eines dieser Probleme hilft, kommt in einen Später-Stapel. Kein Wenn, kein Aber. Das ist der einzige Filter, den ich benutze, und er spart mehr Zeit als jedes Tool danach.
Kurs strukturieren in Mentortools: Die drei Ebenen Kurs, Modul, Lektion
Sobald der Stapel sortiert ist, geht's ans Eintragen. Mentortools arbeitet mit genau drei Ebenen: Kurs, Modul, Lektion, nicht mehr und nicht weniger. Ich vergleiche das gerne mit einer Yogastunde: Der Kurs ist die gesamte Einheit, jedes Modul ist eine Phase davon, Ankommen, Aufwärmen, Vertiefung, Ausklang, und jede Lektion ist eine einzelne Übung innerhalb dieser Phase. Sobald du in diesen drei Schubladen denkst, hört das Kopf-Chaos auf, weil jede Datei genau einen Platz hat, nicht drei mögliche.
Welche Plattform grundsätzlich zu deinem Kurs passt, ist nochmal eine andere Frage, die an anderer Stelle ausführlich beantwortet wird, hier geht's nur um das Strukturieren innerhalb von Mentortools. Wie du deinen Kurs ganz grundsätzlich aufbaust, bevor du überhaupt ein Tool anfässt, ist ebenfalls sein eigenes Kapitel, dem ich woanders mehr Raum gebe.
Reihenfolge schlägt Vollständigkeit
Der Denkfehler, den die meisten von uns machen: Wir sortieren nach Lehrplan statt nach Schmerzpunkt. Erst die Theorie, dann die Geschichte, irgendwann die Übung, genau das habe ich Ulrike neulich aus ihrem eigenen Kurs-Entwurf rausgestrichen, weil ihr erstes Modul „Grundlagen der Achtsamkeit" hieß, wo eigentlich „Endlich wieder ruhig schlafen" hingehört hätte. Wer mit Schlafproblemen zu mir kommt, will nicht erst wissen, wie ein Atemzyklus wissenschaftlich funktioniert, er will, dass die Nacht wieder ruhig wird, am liebsten sofort. Also verschiebe ich in Mentortools die eher trockenen Grundlagen-Module konsequent nach hinten und stelle die schnellen Erfolgserlebnisse ganz nach vorne. Das hätte ich mir am Anfang gewünscht zu wissen: Reihenfolge schlägt Vollständigkeit, immer.
Keine Willkommensrede zum Auftakt
Nein, mit einer klassischen Willkommens-Einführung würde ich heute nicht mehr starten. Die erste Lektion sollte ein schnelles Erfolgserlebnis liefern, keine Begrüßungsrede. Wenn jemand deinen Kurs kauft, will sie gleich am Anfang spüren, dass sich das Investment gelohnt hat, nicht erst nach dem dritten Modul. Bau also lieber eine kleine, sofort umsetzbare Übung als Lektion eins ein und verschiebe das große Willkommens-Video an die zweite oder dritte Stelle. Wie du Zahlungen technisch anbindest oder deine Landingpage baust, sind eigene Kapitel für sich, die ich an anderer Stelle behandle.
Kleine Erfolgsmomente einbauen
Mentortools bringt vier Quiz-Typen von Haus aus mit, und ich nutze sie nicht, um zu prüfen, sondern um zu spiegeln. Nach dem ersten Modul frage ich zum Beispiel spielerisch, welcher Atem-Typ jemand ist, keine richtige oder falsche Antwort, nur ein kleiner Moment, in dem die Teilnehmerin merkt, wie viel sie in kurzer Zeit schon aufgenommen hat. Das ist die Würze im Kurs, nicht die Prüfung. Wenn du außerdem einen Mitgliederbereich erstellen willst, der sich nicht wie eine Excel-Tabelle anfühlt, gehören solche kleinen Belohnungsmomente von Anfang an mit hinein. Wie du die Motivation deiner Teilnehmer*innen dauerhaft am Laufen hältst, ohne dass es nach Schule aussieht, und wie du das Ganze optisch an deine Marke anpasst, sind zwei eigene große Themen, die an anderer Stelle ausführlicher besprochen werden.
Gut genug statt perfekt
Sie wird nie zu hundert Prozent fertig, und das ist okay. Meine Faustregel: Sobald jede Lektion eine konkrete Frage beantwortet, die eine Teilnehmerin tatsächlich hätte, ist die Struktur gut genug zum Starten. Perfektion lässt sich später nachschärfen, ein leerer Kurs bringt niemandem was. Neulich hab ich beim Frühstück den Laptop aufgeklappt und gesehen, dass über Nacht drei neue Anmeldungen für meinen kleinsten Mini-Kurs reingekommen waren, ganz ohne dass ich noch eine einzige Nachricht verschickt hatte. Das hätte ich mir früher nicht träumen lassen, als ich noch dachte, jedes Detail müsste perfekt sein, bevor ein Kurs überhaupt starten darf.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst und dich fragst, welche Online-Kurs-Plattform für Coaches überhaupt zu dir passt, lohnt sich ein Blick dorthin, bevor du dich festlegst. Für die reine Struktur, das saubere Trennen von Kurs, Modul und Lektion, ist Mentortools trotzdem mein persönlicher Favorit geblieben.
Also, liebe Ulrike und alle anderen mit derselben Frage im Kopf: Schreib zuerst die Schmerzpunkte auf, nicht die Videodateien. Der Rest ist Drag-and-Drop.